Meine Hauptprofession hier in San Jose ist – außer ein paar Kindern das Lesen und Schreiben in deutsch beizubringen – in erster Linie eine “stay-at-home mom” zu sein. So wird hier – relativ elegant wie ich finde – eine Hausfrau und Mutter bezeichnet. Es gibt aber noch andere witzige Bezeichnungen, die ich nicht übersetzen möchte, denn sie hören sich auf Englisch einfach besser an. Meine Favoriten sind:

Masters & PhD in Patience,

Household CEO,

Family Law Enforcer,

Personal Chauffeur & Driving Expert,

Birthday Party Planner,

Playdate Social Secretary,

President of Waste Management,

Personal Shopper,

Tooth Brushing Instructor oder

Non-TV Activity Coordinator.

Alles gute Beschreibungen für den Lebenslauf zum Wiedereinstieg in den Beruf.

Einkaufen ist wohl eine der Hauptbeschäftigungen von stay-at-home moms. Ich weiß leider nicht mehr so wirklich, wie das so in Deutschland war, aber ich glaube, es gibt Ähnlichkeiten. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich mit meinem Fahrradanhänger den Aldi-Großeinkauf in Köln-Ehrenfeld erledigt habe, dann noch auf den Markt auf dem Neptunplatz und am Ende zu REWE und in den Bio-Supermarkt. Hier hat sich folgendes Prozedere eingespielt: Zunächst einmal schreibt Frau nicht nur eine Einkaufsliste, sondern ich schreibe meistens vier, manchmal fünf. Eine für jeden Laden, in den ich gehe bzw. wohl eher fahre. Das Meiste kaufe ich alles bei “Trader Joe’s”, meinem erklärten Lieblings-Lebensmittel-Geschäft. Das mag daran liegen, dass diese Kette einem der Aldi-Brüder gehört, aber für mich in erster Linie daran, dass man dort alles Wesentliche bekommt, die Qualität sehr gut ist und die Preise angemessen sind. Vieles ist “organic”, also Bio und sie haben eine super Weinauswahl 🙂 Dazu kommt auch noch dass ich mittlerweile die meisten Mitarbeiter persönlich kenne, man immer etwas zu Essen probieren kann, das einem ein freundlicher Trader Joe’s in einem schick geblümten Hawaii-Hemd mit einem Lächeln anbietet. Und auch daran, dass die Angestellten Sozialleistungen und vergleichbar gutes Gehalt bekommen. Und daran dass meine Kinder – zumindest bis vor einiger Zeit – immer den kleinen Stofftiger finden wollten, der jeden Tag neu im Laden versteckt wird. Findet man das Kuscheltier, geht man zum “corner desk” beim Eingang und bekommt einen fruit snack oder einen Lolli. Super Kinderbindung für Muttis, kann einen aber auch die ein oder andere stressige Shopping-Erfahrung bescheren, denn was macht man, wenn die lieben Kleinen das vermeintliche Vieh nicht finden können, und du auch nicht?? Dann kann das ein oder andere “Tantrum” (Wutanfall) auftreten und das ist gar nicht schön. Alle Mütter dieser Welt wissen genau wovon ich spreche.

Meine endgültige lebenslange Bindung an Trader Joe’s ist wahrscheinlich nach folgender Begebenheit entstanden: Auf einer Shopping-Tour konnte meine damals 5jährige den Tiger mal wieder nicht finden und zog einen Flunsch bis auf den Hardwood Floor. Ich gab die Suche nach etwa 10 Minuten auch auf, da es Zeit für ihre Turnstunde war und reihte mich in die Kassenschlange ein. Die Kassiererin sah das Gesicht meiner Tochter und fragte, was denn nicht in Ordnung sei. Nach kurzer Erklärung von mir – meine Kleine ist stur wie ein Bock manchmal – nahm sie sie kurzerhand an dieselbige, verließ ihre Kasse und ging mit meiner Tochter seelenruhig durch die Gänge und zeigte ihr den Tiger gleich über dem Regal mit Nudeln und Reis. Meine Tochter strahlte, kriegte einen Lolli und ich stehe für immer in der Einkaufsschuld dieses so sympathischen Ladens. Aldi Deutschland sollte sich von dem Service und der Freundlichkeit ihrer amerikanischen Kollegen eine Scheibe abschneiden. Ein paar schickere Klamotten könnten auch nicht schaden.

Zurück zu meiner weiteren Einkaufsroutine: Obst und Gemüse kaufe ich meistens beim “International Food Bazaar”, das Pendant zum Türken in Köln würde ich sagen. Gutes und günstiges Obst und Gemüse, internationale Produkte und auch viele deutsche Sachen. Dort kriege ich Rotkohl im Glas von Hengstenberg und Thomy Senf. Alles was man in den ersten beiden Geschäften nicht kriegt, muss man wahrscheinlich bei Safeway suchen. Ungefähr einmal im Monat gehe ich zu “Costco”, das ist wie die Metro und man kauft alles in großen Gebinden. Geriebener Käse,  Großpackung Nesquik Kakaopulver, Großpackung Organic Fruit Snacks, 2 Literflasche Vodka für den Gatten, Doppelpack Milch (8 Liter), 20 “pretzel rolls” = Laugenbrötchen, die echt gut sind, Bio-Hackfleisch und so weiter. Ab und zu gönne ich mich den Luxus zu “Whole Foods”, der größten amerikanischen Bio-Supermarkt-Kette zu gehen. Dort gibt es super Fleisch und Fisch, eine erstklassige Feinkostabteilung, ein kompletter Gang mit Körnern, Haferflocken, cereals, Hülsen- und Trockenfrüchten usw. Die Qualität der Produkte ist ohne Frage sehr gut aber der Preis ist teilweise sehr überzogen. Nicht grundlos nennen die Amis den Laden auch “Whole Paycheck”. Am Ende folgt dann noch die Fahrt zu  “Target”, wo ich Schulbedarf, Drogerie- und Haushaltsartikel, Kinderklamotten, Goldfish cracker, Peets Coffee und jedes Mal mindestens ein bis fünf Dinge  kaufe, die nicht auf meiner Liste standen….

“The odds of going to the store for a loaf of bread and coming out with only a loaf of bread are three billion to one.”

― Erma Bombeck

“I still believe in the Holy Trinity, except now it’s Target, Trader Joe’s, and IKEA.”

― Jen Lancaster

Funny clip über food shopping:  click here